Winterreise Kirgistan 17.1.2010 – 03.02. 2010

Nachdem ich die Homepage von Herrn Asemov gefunden und den Winterreisebericht gelesen hatte, entschloss ich mich nun doch, eine Winterreise durch Kirgistan zu versuchen.

In den Reiseliteraturen ließt man immer die beste Reisezeit für Kirgistan sei von Mai bis September. Der Winterreisebericht hatte mich jedoch mutig gemacht und ich entschloss mich zu dieser Reise. Die positive Beurteilung von Herrn Asemov erleichterte meinen Entschluss. Ich setzte mich mit der Agentur in Verbindung. Ich teilte Reisezeit und Länge der geplanten Reise sowie ein paar meiner Wünsche mit. Herr Asemov erarbeitete eine vierzehntägige Reise und teilte mir mit, dass die Reise jederzeit verändert, gekürzt oder auch verlängert werden könnte.

Mir gefiel sein Vorschlag sehr gut und auch seine Preise waren durchaus moderat. So startete ich dann also am 17.01.2010 meine zweiwöchige Winterreise durch Kirgistan. Am Flughafen von Bishkek wurde ich dann sehr freundlich empfangen und erst mal zu einer Erholungspause in einem Gästezimmer untergebracht.

Am Nachmittag stand dann eine kleine Stadtführung am Programm. Das Wetter meinte es gut mit mir, tief verschneite Winterlandschaft und strahlender Sonnenschein. Meine Reise führte von Bischkek zuerst in das Kemintal – eine Fahrt die ich jeden nur empfehlen kann. Erwähnenswert auch die sehr nette Übernachtung in der Pension „Ashu“. Vom Kemintal führte die Reise durch die Boom Schlucht an die Nordseite des Yssyk Kul. Hier besteht die Möglichkeit zu sehr schönen Wanderungen. Auch das Hotel in dem wir nächtigten, war sehr ansprechend.

Mein Reiseleiter beantwortete alle meine Fragen mit großer Geduld, erklärte und erzählte sehr viel über sein Land.
Am nächsten Tag führte meine Reise bis Karakol an die Südostseite des Yssyk Kul. Hier waren zwei Übernachtungen im Hotel Amir geplant. Ein ebenfalls sehr nettes kleineres Hotel mit sehr gutem Service. Die beiden nächsten Tage waren absolute Höhepunkte dieser Reise!

Die erste Tour führte zum Chon Ashu Pass. Eine kleine Bergstraße führt durch die beeindruckende Bergwelt Kirgistans. Erst durch tief verschneite Tannenwälder, dann immer höher, den nahezu 4000m hohen Pass entgegen. Man begegnet kaum jemand, man ist allein in dieser grandiosen Landschaft. Zur Mittagszeit packte Herr Asemov die Camping Stühle aus und servierte das mitgeführte Picknick. In dieser wunderschönen Natur, in der Sonne zu sitzen und das liebevoll zubereitete Picknick zu genießen war sicher ein ganz besonderes Erlebnis dieser Reise.

Die Tour am nächsten Tag war jedoch nicht minder beeindruckend. Sie führte in ein nahe Karakol gelegenes Skigebiet. Dieses Skigebiet ist durchaus empfehlenswert und mit europäischen Skigebieten zu vergleichen. Die Sessel und Schlepplifte führen auf über 3000m Höhe und auch für Nichtskifahrer ist es ein besonderes Erlebnis. Die Schönheit der kirgisischen Berge ist überwältigend!

Am nächsten Tag geht die Fahrt bis Tamga an der Südseite des Yssyk Kul. Die nächsten drei Übernachtungen sind in einer kleinen priv. Pension. Auch hier bieten sich unzählige Möglichkeiten für unterschiedliche Wanderungen. Eine der interessantesten Ziele ist sicher Skaska ( Märchenland). Es handelt sich um ein Sandsteingebiet mit ganz skurrilen Felsformationen. Man kann den ganzen Tag durch dieses Gebiet wandern und hat noch immer nicht alles gesehen. Ein weiteres Ziel war die Kysil Suu Schlucht, für Wanderer ein Paradies! Ebenso Jeti Ogus, auch hier wird jeder erkennen, wie schön Reisen nach Kirgistan auch im Winter sein können.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch erwähnen, dass Herr Asemov nicht nur ein sehr besorgter, umsichtiger Reiseleiter, sondern auch ein sehr guter und besonnener Autofahrer ist.

Das nächste wunderbare Erlebnis dieser Reise war die Fahrt zum Barskon Pass mit seinen unzähligen Serpentinen und weiter zum Söök Pass auf 4024m Höhe. Hier befinden sich auch die Goldminen Kirgistans.

Die nächste Übernachtung war in Koshkor an der Westseite des Yssyk Kul. Die Fahrt bis Koshkor dauert etwas lang, führt jedoch durch sehr schöne und interessante Landschaft.

Am nächsten Tag führte die Tour zuerst über den Kysart Pass. Es stürmt und schneit, es ist eisig kalt, die Flüsse sind zum Teil zugefroren doch die Landschaft ist in ihrer Rauheit etwas Besonderes. Herr Asemov erzählt viel über Sitten und Bräuche in Kirgistan, auch mit erstaunlicher Offenheit über die sozialen Zustände in Kirgistan.

Weiter geht die Fahrt durch das Suusamyr Tal. Zwei Drittel der Strecke begegnet uns kein einziges Auto. Es liegt sehr viel Schnee und wieder einmal bewundere ich die Ruhe und Fahrtüchtigkeit meines Reiseleiters. Da ich begeisterte Hobbyphotographin bin ist er mir auch bei der Suche nach den besten Motiven behilflich.

Als wir uns dem Too Ashu Pass nähern, ändert sich das Wetter schlagartig, die Sonne kommt durch und taucht die Landschaft in ein diffuses Licht. Hohe Berggipfel tauchen durch den Nebel auf und erstrahlen im Sonnenlicht. Die heutige Übernachtung ist in einem der Chalets am Too Ashu Pass. Es handelt sich hierbei um eine neu eröffnete Skiregion mit fantastischen Blick über das ganze Tal. Die Zimmer sind sehr gemütlich und das Restaurant ausgezeichnet.

Auch hier zeigte sich, dass Herr Asemov meinen angegebenen Wünschen nachgekommen ist und immer sehr besorgt war die Reise zu einem wirklichen Erlebnis zu machen.

Vom Too Ashu Pass geht es am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein weiter über den Ala Bel Pass bis zum Chichkan Hotel. Ein kleines einfaches Berghotel, das allerdings durch seine Lage besticht. Die Fahrt vom Too Ashu Pass über den Ala Bel Pass bis zum Chichkan Hotel sollte meiner Meinung nach bei keiner Winterreise fehlen. Es war ein ganz besonders schönes Erlebnis auf dieser Reise.

Langsam ging meine Kirgistan Reise dem Ende zu und ich kann nur jeden empfehlen einmal im Winter nach Kirgistan zu reisen. Egal ob Wintersportler oder nicht.

Die letzte Etappe meiner Reise führte in die Alamedin Schlucht. Ich war wieder in einem ganz hübschen Chalets mit einem sehr schönen Restaurant untergebracht. Auch hier besteht die Möglichkeit zu schönen Winterwanderungen.

Zum Schluss möchte ich mich auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich für die ausgezeichnete Reisebegleitung und hervorragende Arbeit bedanken. Vielen, vielen Dank Herr Asemov!!!

Iris Huber 23.2.2010

Wer immer nach Kirgistan reisen möchte, dem kann ich die Agentur: „Individualreisen Talant Asemov“ nur wärmstens empfehlen.




Winterreise durch Kirgistan

Nach zwei vorangegangenen Reisen im Mai 2006 und im Juni 2007 habe ich nun beschlossen, Kirgistan einmal im Winter zu bereisen.Ich buche kurz entschlossen einen Flug bei Aeroflot vom 15.01.2008 bis 30.01.2008
Ich informiere meinen inzwischen gut bekannten und sehr geschätzten Reiseleiter Herrn Talant Azemov vom meiner Idee Kirgistan im Winter bereisen zu wollen. Er freut sich über meine Idee und wir arbeiten gemeinsam ein Programm für die bevorstehende Reise aus. Talant hört sich meine Wünsche sehr genau an und bringt wie immer sehr gute Vorschläge ein. Sehr bald steht unsere Reiseroute fest. Da im Winter private Unterkünfte kaum buchbar sind müssen wir weitgehend auf Hotels und Chalets ausweichen.

Nun zur Reise:

Meine Reise beginnt in einer Unterkunft in Bischkek. Nach einigen Stunden Flug und 5 Stunden Zeitverschiebung sind erst mal ein paar Stunden Schlaf angesagt. Anschließend werde ich von Talant abgeholt, es gibt ein sehr wohlschmeckendes Mittagessen und ein ausgedehnter Stadtbummel folgt. Zuerst Besuch des Kunstmuseums, das ich schon immer einmal besuchen wollte. Ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle. Anschließend geht es zu einem Bazar Bummel, bei dem man ja immer einige sehr schöne Handarbeiten finden kann. Ein Wunsch von mir war es auch einmal die Oper von Bischkek zu besuchen. Dieser Wunsch erfüllte sich nun in diesem Jahr.

Bischkek hat ein sehr schönes Opernhaus und wohl nirgends sonst kann man so günstig in den Genuss einer Opernkarte kommen als in Bischkek. Eine Opernkarte kostet zwischen 3 und 6 Euro. Die Aufführung selber ist durchaus akzeptabel. Eine weitere Übernachtung in Bischkek folgt. Am nächsten Morgen startet dann meine eigentliche kirgisische Winterreise!

Erstes Ziel ist das südlich von Bischkek gelegene Skigebiet Norus. Ein kurzer Spaziergang in tiefverschneiter sonniger Landschaft läst auf eine schöne Reise hoffen. Die Fahrt geht weiter zur Alamedin-Schlucht wo Talant ein sehr hübsches gemütliches Chalet gemietet hat. Ein dazugehöriges Restaurant mit ausgezeichneter Küche und sehr netter Dekoration sorgt bei mir für Erstaunen. Ein langer Abendspaziergang rundet das Programm für diesen Tag ab.

Auf unserer Weiterfahrt am nächsten Morgen besuchen wir die Gedenkstätte der 1937 und 1938 im Auftrag Stalins in Tshan Tash erschossenen 140 Kirgisen. Unter ihnen auch der Vater Aitmatovs. Die Massengräber werden nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion auf Ersuchen Aitmatovs gefunden und geöffnet und diese Gedenkstätte errichtet.

Weiter geht die Fahrt nach Kemin. Unterwegs kann man dort das Mausolen von Schabtan Khan besichtigen.Aber auch die Landschaft verzaubert total. Halb zugefrohrene Flüsse die sich in skurrile Formen verwandeln, riesige Pferdeherden die über verschneite Weiden galopieren lassen die Kamera mehrfach klicken. An einem gestauten Fluss entdecken wir eine Gruppe russischer Leute die bei – 17° Außentemperatur in eiskalten Wasser baden und riesigen Spaß dabei haben. Pappelhaine die von Frost überzogen sind verleiten zu weiteren Aufnahmen.

Wir übernachten in Kemin im Gästehaus Ashu, welches mir von meiner ersten Kirgistanreise schon bekannt ist und als durchaus empfehlenswert eingestuft werden kann. Es besticht durch seine rustikale Dekoration, sein gutes Essen und vor allen Dingen auch durch seine besonders liebenswerte Besitzerin.Ein Highlight dieses Nachmittages ist eine Pferdeschlittenfahrt und ein darauf folgender nachmittägiger Spaziergang durch eine Landschaft die wie eine Kristallwelt anmutet.

Als wir am nächsten Morgen das Kamin Tal verlassen entsteht der Eindruck durch eine Zauberwelt zu fahren. Außentemperatur – 20°.Aus dem Fluss steigt Rauch auf, die kleinen Häuser haben Eisblumen an den Fenstern, alles glitzert in der Morgensonne, der Schnee knirscht unter den Füssen.Die Fahrt geht weiter durch die Boomschlucht zum Yssyk Köl. Ein Denkmal in der Boomschlucht soll an die 240 000 kirgisischen Menschen erinnern, die nach einem Aufstand 1916 gegen den russischen Zar ermordet wurden. In der Gegend um Balyktschy liegt plötzlich kein Schnee mehr, jedoch sind die Flüsse zugefroren. Talant erklärt das dies an den Winden dieser Gegend liegt.

Ein paar Kilometer später fahren wir jedoch wieder durch eine tief verschneite Winterlandschaft.Der Schnee glitzert wie tausend kleine Kristalle und mitten darin liegt der Yssyk Köl wie ein leuchtender Saphir. Die Berge umrahmen den See die Fahrbahn ist mit Pulverschnee bedeckt. Am Nachmittag überrascht mich Talant mit einer ganz bezaubernden Unterkunft, dem Hotel Radugan. (Regenbogen). Eine Hotelanlage bestehend aus kleinen und größeren Cottages direkt am See gelegen. Das Hotel liegt in einer Park ähnlichen Anlage mit vielen hübschen Wanderwegen.

Am nächsten Morgen geht die Fahrt weiter Richtung Colpon Ata bis zum Hotel Avrora. Ein Kurhotel das zur sowjetischen Zeit hauptsächlich Funktionären und Astronauten zur Erholung diente.

Das Hotel selber ist ein ziemlich hässlicher Bau (Form eines Segelbootes). Liegt aber auch in einem wunderschönen Park direkt am See. Weitere positive Punkte sind:
Alle Balkone sind nach Süden ausgerichtet mit herrlichem Blick über den See und es werden Massagen zu fast unglaublichen Preisen angeboten. Eine einstündige Ganzkörpermassage kostet 10 Euro.

In unmittelbarer Nähe des Hotels bietet sich Gelegenheit zu weiteren sehr schönen Wanderungen. Für den nächsten Tag hat Talant einen Ausflug in die Semenovka Schlucht geplant. Ich bin zutiefst beeindruckt von diesem Erlebnis! Tief verschneite Wege, hohe Berge im gleisendem Licht, zugefrorene kleine Bäche, die sich zu kleinen Eiswelten verwandeln, einsame Reiter, Pferde in Tiefschnee versetzen mich in romantische Schwärmereien. Nach einigen Stunden trennen wir uns wieder von der Romantik dieser Schlucht und setzen unsere Reise Richtung Karakol fort.

Zu erwähnen wäre noch das Talant auch im Winter bei teils stark vereisten Straßen ein gang ausgezeichneter Fahrer ist. Unterwegs reit sich ein Fotomotiv an das andere. Ob es nun ein Fuchs, ein Adler mit seinen riesigen Schwingen oder immer wieder diese schönen verschneiten Berge sind. Die erste Nacht in Karakol verbringen wir im Gästehaus „Marsi“ das zwar relativ einfach ist aber durch seine freundliche Art besticht.

Es ist im Besitz einer persischen Zahnärztin und eines Schweizers der in verschiedenen Projekten in Kirgistan involviert ist. Das Restaurant Fahir in Karakol ist auch durchaus erwähnenswert. Zwar sehr einfach gehalten aber mit ausgezeichneter Küche.

Der nächste Tag wurde zum absoluten Highlight dieser Reise.

Wir fahren von Karakol Richtung Engelchek über eine kleine total verschneite Gebirgsstraße hoch zu einem Pass auf knapp 4000m. Zuerst vorbei an bewaldeten Hängen, an ein paar kleinen Häuschen die mit ihren Schneemützen wie Hexenhäuschen wirken, immer höher und höher hinauf. Die kleine Straße wird immer schmäler und die Schneewände höher. Plötzlich ist die Fahrt zu Ende!
Vor uns stehen zwei Jeeps und können nicht weiter fahren da der Weg durch eine Lawine verschüttet ist.
Es wäre aber nicht Kirgistan wenn nicht auch dieses Problem schnell gelöst würde! Die Männer holen Schaufeln aus dem Auto und einige Zeit später steht der Fahrt zum Pass nichts mehr im Wege.
Es sind nur noch einige hundert Meter zu bewältigen und dann haben wir dieses grandiose Panorama vor uns!!
Wir sind auf 4000m und vor uns die gewaltigen 6000m hohen Berge Kirgistans. Ein wirklich überwältigender Anblick.

Es stürmt und ist eisig kalt und wir verlassen die Passhöhe nach kurzer Zeit. Mit größter Vorsicht geht die Fahrt nun bergab. Wir legen noch einige Fotostops ein und ich bin wirklich überwältigt von dieser Tour.
Ein Beweis mehr wie gut man auch im Winter Kirgistan bereisen kann und welch wunderschönes Panorama sich einem bietet.

Am nächsten Tag hat Talant wieder eine Überraschungstour eingeplant. Nach einem ausgiebigen Frühstück geht unsere Fahrt gleich los.

Wir fahren auf der Straße die zu den Goldminen führt. Kirgistan hat die viertgrößten Goldminen der Welt.
Es ist wieder ein wunderbar sonniger Tag und wir müssen nun die 38 Serpentinen zum Pass bewältigen.
Je höher wir kommen umso imposanter wird die Landschaft. Gewaltige Berge reihen sich aneinander, gefrorene Wasserfälle, glitzernde Schneefelder. Die Bäche geben manchmal nur kleine Kristalltümpel frei.

Wir nehmen eine alte Frau ein Stück des Weges mit. Sie kommt von einem Besuch im Dorf und muss nun zu ihrer Berghütte zurück. Bei unserer Rückfahrt sollen wir sie in ihrer Hütte besuchen.
Im Radio tönt diese wunderbare kirgisische Musik die einem das Gefühl von Harmonie und Einklang zur Natur vermittelt.

Je höher wir kommen umso überwältigender ist das Schauspiel das sich bietet. Riesige Gletscherplatten leuchten grün, dazwischen immer wieder kleine Eishöhlen.
Wir sind bereits auf 3840m. Wenig später haben wir die Passhöhe erreicht und es bietet sich uns einmal mehr ein unbeschreiblich schönes Panorama.

Riesige weiße Berggipfel ragen in den dunkelblauen Himmel, vor uns ein riesiges glitzerndes Schneefeld und trotz 4000m Höhe ist es erstaunlich warm. Wir lehnen eine weile am Auto und genießen diese absolute Ruhe und Schönheit der Natur. Es ist kein Laut zu hören, kein Vogel zu sehen, man hört nur den gefrorenen Schnee unter unseren Füssen knirschen. Wir trinken zur Feier dieser wunderbaren Tour einen kleinen Wodka, essen ein bisschen Schokolade und machen dann eine kleine Wanderung.

Inzwischen ist es Nachmittag und wir müssen an die Rückfahrt denken. Noch ein Kurzbesuch bei der alten Frau in ihrer Hütte. Wir trinken zusammen Tee und sie zeigt uns wie auf ganz primitive Art Wolle gesponnen wird. Dann geht es zurück diesmal zu einer Privatunterkunft. Von weitem ist schon der Yssyk Köl zu sehen und die ganze Szenerie ist warmes Abendrot gehüllt.
Die Vermieterin hat Borsch für uns gekocht und es schmeckt sehr lecker.

Am folgenden Tag geht die Fahrt weiter Richtung Kotschkor. Am Yssyk Köl entlang bieten sich wunderbare Fotomotive. Am Seeufer haben sich ganz eigenartige Eisformationen gebildet. Auf der Fahrt Richtung Ortotokoi-Stausee biegen wir in ein kleines Tal mit nackten Felsen ein in denen sich kleine Höhlen befinden und man das Gefühl vermittelt bekommt, man sei in der Welt von Rübezahl und seinen Zwergen.

Talant und ich sind uns einig, dass dies im Sommer ein idealer Platz zum Zelten wäre. Am Stausee dann ein überraschendes Schauspiel. Drei Adler jagen einen Fuchs. Die nächsten beiden Nächte übernachten wir in einer sehr netten Pension. Am nächsten Tag steht noch eine Fahrt zum Dolon-Pass auf dem Programm. Auch hier bieten sich wieder wunderbare Fotomotive.

Ich bewundere immer wieder diese hübschen und doch ziemlich gewaltigen Eisformationen. Am Dolon-Pass steht noch immer das verfallen Haus aus Aitmatovs Roman:
„Meine Pappel mit rotem Kopftuch.“ Beim Anblick dieser schönen Natur fühlt man sich wirklich in Aitmatovs Roman versetzt.

Mein letzter Tag im winterlichen Kirgistan beginnt mit der Fahrt von Kotschkor nach Bischkek und einer letzten Überachtung in Bischkek. Am nächsten Morgen bringt mich Talant zum Flughafen und wieder einmal stimmt es mich traurig, dieses wunderschöne Land mit seinen liebenswerten Menschen verlassen zu müssen.

Ich kann jedem empfehlen einmal Kirgistan im Winter zu bereisen. Es ist eine Reise durch eine ganz romantische Szenerie und ein unvergessliches Erlebnis!

Ein großes „Dankeschön“ an Talant Asemov für seine perfekte Koordination und seine liebenswerte Art sein Land zu präsentieren.

Reisetagebuch - Eine Sommer-Reise durch Kirgistan

Kirgistan 30.07.2007

Ankunft in der kirgisischen Hauptstadt Bishkek um 5.10 Uhr. Zoll- und Gepäckausgabe ohne Probleme. Freundlicher Empfang von Gulnara und Talant Asemov. Im Anschluss fahren wir zu unserer ersten Unterkunft und machen vorher einen Zwischenstopp  vor der Kirgistan-Begrüßungstafel.

Unser erster Eindruck: Alles sehr sauber und ruhig. Beeindruckende Bergkulisse.

Nach unserem ersten Frühstück in Kirgistan hat uns der Schlaf übermannt und wir brauchten eine zweistündige Auszeit. Nach dem gemeinsamen Mittagessen (Dimlama) haben wir eine Aklimatisierungsfahrt mit Bergwanderung gemacht ins Tal Ala Archa.

Konnten erste Eindrücke von den uns erwartenden Bergkulissen und Bergbächen gewinnen (herrlich). Gemütliches Abendessen (Plov) und anhaltender Kampf gegen die Müdigkeit aufgrund der Zeitverschiebung (die Müdigkeit hat gewonnen ….).

Präventive Maßnahme: Wodka gegen Magenverstimmung!!!

Kirgistan 31.07.2007

8.00 Uhr  Frühstück mit Familie Asemov und Routenbesprechung. Abreise gegen 9.30 Uhr und erste Fahrt durch Bishkek. Faszination Geldwechsel: Man gibt drei Geldscheine und im Gegenzug erhält man einen Berg Geldscheine (1 : 50).

Anschließend Weiterfahrt in Richtung Isik Kul über das Dorf Bergtal (Gründung durch deutsche Auswanderer um  1927 ) welches zur Sowjetzeit Rotfront genannt wurde. Dabei lernten wir den Jungen Erwin und seine Schwester Lili kennen, die aus einer deutsch stämmigen Familie stammen (vierte Generation). Ursprünglich wanderte die Familie aus Friesland ein. Besichtigung der deutschen Grabstätten.

Weiterfahrt über Burana (Freilichtmuseum),  einer Karavanen-Festung aus dem elften Jahrhundert auf der großen Seidenstraße. Sie wurde als Nordhauptstadt von der Karakaniden-Dynastie genutzt (die vom Tianshan-Gebirge bis zum Aralsee herrschten) und war außerdem ein Handelsstützpunkt. Desweiteren konnten wir Balbal-Steinfiguren besichtigen, die als Siegessymbol über feindliche Heerführer dienten (darunter auch weibliche Heerführerinnen). Außerdem gibt es ein kleines Museum, das über die Geschichte Buranas erzählt.

In einem der beiden Mausoleen wurde das Grab einer Herrscherin entdeckt. Aufgrund der zehn Ringe und der wertvollen Grabbeigaben geht man davon aus, dass es sich um die Herrscherin der Karakaniden handelt. Abschließend bestiegen wir den Buranaturm (28 Meter Höhe von ursprünglich 48 Meter).

Weiterfahrt nach Tokmok (Industriestadt), vorbei an russischen Industrieleichen und gescheiterten kirgisisch-chinesichen Jointventures. Es handelt sich dabei um einen kürzlich unternommenen Versuch, gemeinsam eine Papierindustrie aufzubauen, jedoch hatte man nicht an den Rohstoffmangel gedacht. Mittagessen (Lagman) im Zentrum von Tokmok. Im Anschluss direkte Anreise zum Isik Kul entlang des Chuj-Flusses, der ideale Voraussetzungen zum Rafting und Angeln bietet. Erste organisierte Raftingtouren werden bereits angeboten. Kurzes studieren der Gewässerstruktur hat uns gezeigt, dass dieses Gewässer ein ideales Salmonidengewässer ist. Sehr abwechslungsreiche Struktur mit Kiesbänken und keinerlei erkennbaren Querverbauten (komplett Naturbelassen).
Ankunft in Balikchi (deutsch: der Fischer) am Isik Kul und erster Blick auf die Traumhafte Seekulisse (Länge 180 km, Breite 60 km, Tiefe bis 700 Meter und Höhe ca. 1600 m über dem Meeresspiegel) mit gewaltigem Bergmassiv im Hintergrund (beinahe 5000 Meter Höhe). Um ca. 19.00 Uhr Ankunft in Tamchi, einem Ort am nördlichen Ufer des Isik Kul. Der von den Russen vor einem Jahr erbaute Flughafen dient hauptsächlich russischen Badegästen zur Anreise. Abendessen (Jarovnja = gebratenes Rindfleisch mit Gemüse auf heißer Platte) in einem örtlichen Kafe (bei uns Restaurant). 

Gewohnte Präventivmaßnahme: Gute Nacht Trunk - Wodka

Kirgistan  01.08.2007

Nach einer erfrischenden Dusche aus einer Thermalquelle nahmen wir ein gemeinsames klassisches russisches Frühstück (Griesbrei + schwarzer Tee) ein. Danach weiterfahrt Richtung Karakol mit erstem Stopp in Freilichtmuseum von Cholpon Ata. Besichtigung der Felsenzeichnungen, die aus dem Jahre ca. 2000 v. C. stammen. Dargestellt werden hierbei überwiegend Jagdszenen. Darunter auch das berühmte Portrait des an der Leine geführten Schneeleoparden (immer wieder in Museen dargestellt). Dann besuchten wir das ortsansässige Museum das die komplette Geschichte des Landes darstellt. Von den ersten Felsenmalereien bis dato.

Kurze Teepause im Blumenkafe (leckere Palatschinken mit Kaimak und Himbeerkonfitüre).

Im Anschluss erstmalige Besichtigung der Fischverkaufsstellen (Stände am Straßenrand). Angeboten werden neben geräucherten Renken und Seeforellen auch Lauben. Alle Fische in für uns nicht vorstellbaren Größen. Paradies für Angler!

Besuch des Strandes am Isik Kul. Leider hat das Wetter nicht mitgespielt. Nur Einheimische wagten den Sprung ins kalte Wasser.
Dann Weiterfahrt Richtung Karakol und Picknick. Dort haben wir uns die frisch gekaufte geräucherte Renke schmecken lassen und zum Nachtisch gab´s eine Honigmelone mit Bier (Lecker!).

Anschließend Wettereinbruch mit Sturm und Regen. Besonderes Erlebnis: Sprachbarierre führte zur Irritation. Ein stolzer Reiter auf seinem schönen Pferd kam wild gestikulierend auf Sven zugeritten. Seine Gesten irritierten Sven, da sie sich nicht auf eine gemeinsame Sprache einigen konnten, kam Talant herbeigelaufen und konnte die Situation aufklären. Dabei stellte sich heraus, dass sich der stolze Reiter bei Sven bedanken wollte, für Bilder die ein deutscher Tourist letztes Jahr an ihn geschickt hat. Die Situation wurde gleich dazu genutzt, um neue Bilder zu schießen.

Weiterfahrt nach Karakol und Einzug ins Gästehaus bei Regen und Wind. Gemeinsames Abendessen im Kafe und natürlich Wodka.


Kirgistan 02.08.2007

Turbulente Nacht, der Begriff des „Flotten Otto“ wurde eingeführt. Sven hatte die ganze Nacht mit Magen-Darm-Krämpfen zu kämpfen.

Nach einem sehr ruhigen und spärlichen Frühstück ( wegen Übelkeit ) Abreise zum Brzewalski-Museum. Besichtigung der Grabstätte des Brzewalski-Pferdeentdeckers und Besuch des Museums, das die Lebensgeschichte des russischen Erforschers Zentralasiens im 19. Jahrhunderts zeigt. Schöne alte Zeichnungen, Fotos und Ausstellungsstücke zu besichtigen. Es werden weiters Verbindungen zum Dresdner und Berliner Institut für geographische Erforschung gezeigt und mit alten Unikaten dokumentiert.

Anschließend Besichtigung der Mosche (ca. 100 Jahre alt) und der orthodoxen Kirche (komplett aus Holz, ca. 110 Jahre alt), die stellenweise im Sozialismus der UdSSR als Turnhalle umfunktioniert wurde.

Weiterfahrt nach Jeti Ogus (in Deutsch: Sieben Ochsen). Zwischenstopp in örtlicher Apotheke und Beschaffung von Arzneimitteln.

Rast bei einer Hirtenfamilie in einer Jurte. Mittagessen und Krankenverpflegung mit anschließender Regenerationspause.

Weiterfahrt in die verregneten Hochebenen (ca. 2640 m). Besichtigung der Nomaden und deren Viehweiden. Extrem rutschige Bergwege wegen Regenfall. Daher viel Spannung im Auto. Wunderschöne Pferde auf den Weiden.

Rückkehr zur Jurte und Vorbereitung für die Nacht mit Abendessen. Auch bei Sonja stellen sich erste Magen-Darm-Probleme ein. Sogar Wodka konnte die Situation nicht bereinigen. Ein nicht näher definiertes Wundergetränk (Schamanen-Heilmittel) konnte Sven von seinem Übel befreien. Vermutung: eine Mischung aus Schwarzem Tee, Wodka, Kräuter, Propolis und ein Hauch von Schamanenmagie. Übelst bitter, was einem kurzzeitig einen üblen Brechreiz verursacht, aber es wirkt!

Erste Nacht in einer Jurte am Rande eines Bergbaches. Nun hat auch Sonja die Ehre, das Wundergetränk zu testen.

Kirgistan 03.08.2007

Von Müdigkeit gepeinigt wurde ein kurzes Frühstück mit wenigen Worten eingenommen. Dann Aufbruch in die Schlucht von Jeti Ogus über Sieben Brücken bis zu den Hochweiden vorbei an verschiedenen Jurtenansiedlungen. Wunderbare Eindrücke, traumhaftes Bergpanorama und Tierwelt mit wunderschönen Pferden, Ziegen, Schafen und Kühen.

Erster Angelerfolg auf Bergforelle, als Tilek´s: „wir haben einen Fisch“ durch den Berg hallte.

Besichtigung des Gletscherpanoramas (ca. 5400 m). Im Anschluss Rückkehr zur Jurte mit Mittagessen.

Weiterreise nach Tamga. Einzug bei Sascha. Wunderschönes Gasthaus mit sehr gepflegten Garten und englisch sprechenden Gastgebern.

Angelversuch am Isik Kul ist leider erfolglos geblieben. Obwohl eigentlich am späten Abend die beste Angelzeit beginnt, kehrten wir zum Abendessen ins Gasthaus zurück.

Kirgistan 04.08.2007

Besuch der roten Felsen mit skurrilen Felsformationen aus rotem Sandstein nähe Tamga am südlichen Isik Kul Ufer. Wunderbarer Blick sowohl in die Berge wie auch über den See.

Nachmittags Körperertüchtigung mit Schwimmen, Faulenzen und Essen am Strand des Isik Kul. Glasklares erfrischendes Wasser und unbeschreibliche Ruhe. Die Zeit verfliest wie das Wasser des Isik Köl durch den Sand des Strandes.

Abendessen bei Sascha. Entgegen unserer Erwartung, Kirgistan sei ein touristisch unerschlossenes Land, konnten wir die beiden Abende feststellen, dass sich bei Sascha die Welt trifft. Finnland, Schweden, Israel, Frankreich, Holland, Österreich und Deutschland.

Kirgistan 05.08.2007

Zeitiges Aufstehen um ca. 7.00 Uhr. Talant und Sven verspürten ziemlichen Durst, da der Wodka am Vorabend sehr gut geschmeckt hat. Nach einem ausgiebigen Frühstück in Sascha´s wunderschönem Garten (Essen ausgiebig, auf die Reste freute sich stets der Haushund Vulkan) machten wir uns auf dem Weg zum „Insider Tipp“ Salzsee. Dort erwarteten uns schon hunderte  Russen und dementsprechend auch sehr viel Müll. Neue Dörfer sind aus dem Nichts entstanden. Vom Grillimbiss über Teestuben alles vorhanden. Es ist dort Tradition, im Salzwasser zu Baden und sich anschließend mit übel riechendem schwarzen Schlick einzureiben, der für die Haut gut sein soll! Aufgrund der Menschenmassen die dies praktizierten, haben wir davon Abstand genommen (Magen-Darm-Problem war gerade überstanden).

Weiterreise ans Ufer des Isik Kul und zweistündige Erholungs- und Badepause.

Danach Abreise nach Kochkor und Bezug des sehr netten Gästehauses. Gemeinsames Abendessen mit Plov und Salat. Das Gästehaus war sehr sauber und sehr freundlicher Gastgeber.

Kirgistan 06.08.2007

Nach dem Frühstück haben wir eine Filzfabrik besucht und diverse Mitbringsel gekauft. Dann Weiterfahrt nach Narin, eine unscheinbare Kleinstadt mitten auf dem Lande. Keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten bis auf eine Moschee.

Entlang der von chinesischen Schwerlast-Lkws zerstörten Hauptstraße kann man traumhafte Landschaften genießen. Unendliche Weiten führen in Richtung China. Außerdem entdeckt man zahlreiche Murmeltiere, Yacks, Pferde, Rinder, zweihöckrige Kamele etc.

Direkter Weg nach Tasch Rabat (ca. 3100 m). Eine sehr alte Karavanserei aus Stein, die  aus dem 16. Jahrhundert stammt. Hier machten Karawanen stopp auf ihrer Reise entlang der Seidenstraße. Ortsansässige Nomaden bieten Jurten an, die auch wir in Anspruch genommen haben. Außerdem gibt es die Möglichkeit, auf Pferden die wunderschöne Umgebung zu besichtigen. Das Abendessen findet im Hirtenhaus statt, mit Suppe und Salat und reichlich Tee. Sehr freundliche Gastgeber.

Kirgistan 07.08.2007

Nach einer kalten nassen Nacht überrascht uns der Morgen mit Sonne. Nach dem Frühstücken große Besprechung unseres Reitausfluges. Der Start geriet etwas in Verzögerung, da die Pferde in den weitläufigen Weidehügeln nicht gleich auffindbar waren. Mit ca. 1 Std. Verspätung ging dann die große Reise (7 Stunden) hoch zu Pferde los. Ziel war der Chatyr-Köl-Pass mit einer Höhe von 4200 m. Da Sonja überhaupt zum ersten Mal zu Pferd saß und Sven schon länger keine Reiterfahrungen mehr hatte, gestaltete sich der Ausritt zu einem wahren Abenteuer. Wir durchquerten Bäche, Schluchten und hochgelegene Weidewiesen. Teilweise mit tiefen Abgründen. Daher waren wir immer sehr konzentriert. Den Chatyr-Köl-Pass bereits vor den Augen, fiel uns auf, dass das Wetter umschlug. Und so kam es wie es kommen musste, auf ca. 4000 m, quälten wir uns durch einen Schneesturm bis zum angestrebten Ziel. Am Pass angekommen, genossen wir den Ausblick auf den Chatyr-Köl-See. Außerdem die gegenüberliegende Bergkette, hinter der sich bereits China befindet. Da wir das Wetter nicht einschätzen konnten (sehr kalter Wind und Schnee) genossen wir diese Aussicht jedoch nur wenige Minuten und bereiteten uns und die Pferde auf den Rückritt vor. Beim Abstieg des Passes erkannten wir dann erst die Steilheit des Geländes. Uns erstaunte die Trittsicherheit der Pferde, doch unsere ungeübten Beine begannen allmählich Müde zu werden. Nach ca. 1 Std. Abstieg und Kampf gegen die Kälte beschlossen wir eine kurze Pause. Als Sven vom Pferd absteigen wollte, drehte sich der gelockerte Sattel und er stürzte vom Pferd. Zum Glück ist nichts passiert, außer dass das Pferd etwas irritiert war. Nach einigen Minuten traten wir den restlichen Rückweg an, wobei wir noch einmal bei einer Nomardenfamilie stoppten, da wir zu Tee und Kumis (vergorene Stutenmilch) eingeladen wurden. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und man lud uns sofort zum Essen ein, Steinbockfleisch mit Kartoffeln und Gemüse. Der Sohn überraschte uns mit seinen Englischkenntnissen. In dem Moment als wir Losreiten wollten, sahen wir einen Welpen, den wir sofort in unser Herz schlossen. Talant konnte die Leute überzeugen, ihm den Hund zu überlassen. Ab diesem Moment waren wir einer mehr und wir mussten erkennen, dass er ab jetzt im Mittelpunkt unserer Reise stand. An unserer Jurte in Tasch Rabat angekommen, waren wir von der Kälte steif gefroren und entschlossen uns, erst einmal eine Stunde ins wärmende Bett zu legen. Zum Abendessen ließen wir uns eine schmackhaft heiße Suppe schmecken. Die Müdigkeit beendete unseren Abend sehr früh.

Kirgistan 08.08.2007

Abfahrt von Tasch Rabat über Bayetov zum Son-Kol. Die Reise führte über drei Pässe jeweils ca. 3300 m. Die Straße führte über traumhafte Bergweiden, mit einer wunderschönen Tierwelt. Dabei sahen wir nicht nur die weidenden Pferde, Schafe, Rinder und Yacks sondern konnten auch Adler, Bussarde und eine große Anzahl an Murmeltieren bewundern. Außerdem sollen hier auch Schneeleoparden, Steinböcke, Wölfe, Bären und Marcopolo-Schafe heimisch sein. Mittagspause in Bayetov mit Maultaschen und Fleischsuppe. Auch unser kleines neues Familienmitglied „Bobo“ hatte ordentlichen Hunger und ließ sich die Maultaschen schmecken. Anschließend direkte Anreise zum Son-Kul über den Moldo-Pass. Zu diesem führen unzählige Serpentinen und ermöglichen einen  traumhaften Ausblick (3016 m). Erst angekommen, eröffnete sich uns ein wunderschöner Blick über den Son-Köl. Wir genossen zum Abendessen einen schmackhaften gebratenen Fisch mit Reis, Gemüse und Salat. Danach bezogen wir unsere Jurte.

Kirgistan 09.08.2007

Nach einer sehr kalten Nacht beginnt unser Tag um ca. 8.00 Uhr. Mit den vor Kälte steif gewordenen Gliedern schleppen wir uns zum Frühstück im Freien. Dort beginnt der Kampf gegen Spanier, Katalonen, Franzosen und Engländern, die in der Nacht noch mit mehreren Bussen angereist waren (insgesamt 60 Personen) und teilweise aus Platzgründen auf benachbarte Hirtenfamilien verteilt wurden, oder im Freien schliefen. Gegen 10.00 Uhr brachen wir dann einmal mehr mit den Pferden auf und besichtigten auf einer ca. 2 Stunden-Tour die Umgebung des Son-Kul mit seinen wunderschönen Edelweiß- und Enzianfeldern. Es war uns ein besonderes Gefühl, über diesen edlen Teppich zu reiten. Um ca. 14.00 Uhr kamen wir wieder zurück und ließen uns das Mittagessen schmecken und zwar fast alleine. Alle anderen Gäste sind zwischenzeitlich abgereist und so konnten wir den Nachmittag für uns ganz alleine Nutzen. Die Hirten der Umgebung trafen sich zu einem traditionellen Reiterspiel (Ulak-Tartysch) bei dem die Reiter versuchen, sich gegenseitig eine frisch geschlachtete und enthauptete Ziege wegzunehmen und in eine Art Tor zu werfen. Dieses Reiterspiel hat eine sehr lange Tradition in Kirgistan und wird bis heute zu verschiedenen Anlässen von jungen geschickten Reitern praktiziert. Es gibt mittlerweile nationale Meisterschaften. Im Anschluss haben die Gastgeber der Jurte Volklorelieder gesungen. Bei einem gemütlichen Fläschchen Wodka und Gesprächen klang der Abend aus.

Kirgistan 10.08.2007

Der heutige Tag beginnt sehr sonnig und es war schön, dass das Jurtencamp fast lehr war. So konnten wir heute in aller Ruhe unser Frühstück genießen und den Lauf des Tages besprechen. Gegen 10.00 Uhr war das Auto gepackt und die Reise ging los nach Kochkor. Zwischen uns und unserem Ziel lagen einmal mehr drei Pässe mit jeweils ca. 3000 m Höhe. Entlang einsamer Hirtenstraßen sahen wir traumhafte Landschaften, einsame Hirten, wunderschöne Natur und sogar zweihöckrige Kamele. Diese dienen hauptsächlich zum Transport von Lasten in den Bergen. Zwischen Naryn und Kochkor gelangten wir dann wieder auf die alt bekannte Hauptstraße in Richtung Kochkor. In einem Rasthaus entlang der Hauptstraße trafen wir dann drei Schweizer, die mit Motorrädern quer durch Kirgistan unterwegs waren. Und nach einem kurzen Gespräch träumten auch Talant und Sven von einer Motorradtour quer durch Kirgistan. In Kochkor angekommen besichtigten wir zwei Filzmanufakturen die in alter Tradition das Filzhandwerk ausüben. Auch wir konnten einige Souvenirs erwerben. Im Anschluss bezogen wir unsere Unterkunft und freuten uns, nach vier Tagen Unterkunft in Jurten, auf eine heiße Dusche und ein richtiges Bett. Den Abend ließen wir mit einen großzügigem Essen, Wodka und vielen kirgisischen Geschichten ausklingen.

Kirgistan 11.08.2007

Nach einer angenehmen Nacht in einem richtigen Bett Frühstück um 8.00 Uhr in unserem Gästehaus. Am Frühstückstisch lernten wir zwei Chemiker der Universität Tübingen kennen, die Aufgrund von Magen-Darm-Problemen eine sehr turbulente Nacht hinter sich hatten. Wie schon bei uns war die einzige Abhilfe der bis heute nicht exakt definierte Schamanentrunk. Abreise gegen 10.00 Uhr in Richtung Suusamyr. Im Dorf Tus machten wir Stopp an einer rätselhaften Quelle, deren Wasser brennbar ist. Aufgrund der Bläschenbildung im Wasser vermuten wir Methangas, was sich ja bekanntlicherweise leicht entzünden lässt.  Genauere Informationen zu diesem Phänomen konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen.
Auf der Weiterfahrt machten wir Stopp auf dem Kysart-Pass (ca. 2700 m) bei Freunden von Talant. Dort werden wir eingeladen zu Kumys, Tee und später zum Mittagessen mit frisch geschlachtetem Schaf. Zum ersten Mal ist es uns gelungen, die Herstellung von Kumis zu verfolgen. Stuten mit jungen Fohlen werden alle zwei Stunden gemolken, dabei erhält man ca. 1 Liter Stutenmilch. Diese Stutenmilch wird dann mit bereits vorhandenem Kumis vermengt, damit sich die darin enthaltenen Pilzkulturen auch auf die frisch gemolkene Stutenmilch überträgt und die Gehrung (Alkoholgehalt ca. 2 %) beginnen kann. Kumis werden viele gesunde Eigenschaften nachgesagt. So spricht man von Entschlackung, Stoffwechselförderung, Verbesserung der inneren Organe und soll auch bei Blutkrankheiten helfen. In Kirgistan ist es Tradition so genannte Kumys-Kuren abzuhalten. Die Kur dauert in der Regel ca. 10 Tage. Dabei werden bis zu 2 Liter Kumis täglich getrunken. Nachweislich konnten Erfolge bei der Heilung erzielt werden. Abreise gegen 14.00 Uhr zum Fluss Kökö-Meren. Dort haben wir unser Petri Heil gesucht aber leider nicht gefunden. Allerdings konnten wir andere Angler beobachten, die wunderschöne Bachforellen (ca. 50 cm) gefangen haben. Abreise in Richtung Kyzyl-Oi zu unserer Unterkunft. Nach einem Plov-Abendessen und einer faszinierenden Freilandtoilette ging unser Tag zu Ende.

Kirgistan 12.08.2007

Regnerischer Morgen in Kyzyl-Oi am Kökö-Meren-Fluß. Gemeinsames Frühstück mit Katja, der Wirtin, die uns viele Geschichten und Bilder Ihrer Gäste zeigte. Herzlicher Abschied von Katja und ihrer Familie und Abreise in entlang des Kökö-Meren. Zwischenstopp an einer alten wackeligen Stahlhängebrücke. Weiterfahrt nach Koyamkul, wo einst der sagenumwobene 2,35 m große und 208 kg schwere Koyamkul lebte. Dieser soll der Sage nach in der Lage gewesen sein, über 600 kg schwere Steine zu heben. Einer alten Geschichte nach, soll Koyamkul sein Pferd nachdem es müde wurde, auf dem Rücken nach Hause getragen haben. Verirrte Reisende orientierten sich  an den Pferdespuren im Schnee, da sie in dem Glauben waren, dass diese zu einem Dorf führen müssten. Als sich die Pferdespuren plötzlich verloren und nur noch Menschenspuren zu sehen waren, glaubte man an den Teufel. Im Ort Koyamkul befindet sich auch heute noch ein Museum mit Bildern und Gebrauchsgegenständen des starken Mannes. Seine Grabstätte ist unweit des Museums auf einem Hügel. Weiterreise durchs Suusammyr-Tal entlang der neugebauten Hauptstraße zwischen Bischkek und Osch. Zwischenstopp bei einer Jurtenfamilie, die uns zu Kumys und Jöögurt (sonnengetrocknete Joghurtbällchen) einladen. Rückreise in Richtung Bischkek über den Aschuu-Pass (ca. 3200 m) mit steilen Serpentinen abwärts. Zwischenstopp in einem Restaurant mit wunderschönem Garten in einem Vorort von Bischkek. Wir merken, dass wir wieder in der hektischen Welt der Großstädte sind. Ankunft in Bischkek ca. 19.00 Uhr. Gulnara bereitet uns leckeres Oromo (Blätterteig gefüllt mit Käse und Zwiebeln oder Fleisch und Gemüse).

Kirgistan 13.08.2007

Städtetour und Einkaufsbummel in Bischkek. Eine sehr lebhafte Großstadt voller Tradition und Moderne. Auffällig ordentlich und sauber mit sehr hilfsbereiten und freundlichen Menschen. Bischkek ist eine sehr internationale Stadt. Gäste aus aller Welt. Wegen des Singapur-Gipfels präsentiert sich diese Stadt von seiner schönsten Seite. Die Präsenz der Polizei ist dementsprechend, da sich die Staatschefs Russlands, Chinas, Kasachstans, Usbekistans, Tadschikistans und Kirgistans in den nächsten Tagen zu einem humanitären Gipfel treffen.